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Vereinsgeschichte des MGV „Westfalia” Hennen |
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Als in der Silvesternacht 1877/78 vom altehrwürdigen Kichturm der Johannes-Kirche in Hennen die Glocken das neue Jahr einläuteten und aus den Turmluken das vierstimmige „Lobe den Herrn“ von Hennener Sängern weit über die Dächer des Dorfes erschallte, hatte die Geschichte des am 1. Mai 1877 gegründeten Männergesangvereins „Westfalia“ bereits begonnen. Nach jahrhundertelangen, schweren Bedrückungen, Kriegen, Belagerungen, Frohndiensten sowie örtlichen, konfessionellen Streitigkeiten im Dorfe selbst, waren die Hennener Bürger nach den Einigungskriegen (1864 - 1871) zu politischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Leben erwacht. Sangesfreudige und gemeinschaftsuchende Bürger kamen im Mai 1877 zur Gründung des Männergesangvereins zusammen, um das gesellige, kulturelle Leben und den deutschen Volksgesang zu pflegen. Führend in dieser dörflichen Sängergemeinschaft waren anfangs die Lehrer Kretschmar, Lubenau und Loose der hiesigen Schule, die dann auch die musikalische Leitung in der neuen Volksschule auf der Palmisse (erbaut 1877) übernahmen. Jeden Samstag - im Herbst und Winter bei Kerzenlicht oder Öllampe - wurden in mit Pfeifenrauch gefüllter Luft mit Hilfe einer Geige die Lieder eingepaukt. Wer eine Viertelstunde zu spät kam, mußte 10 Pfg. bezahlen, wer dreimal unentschuldigt fehlte, wurde als ausgetreten angesehen. Neue aktive oder passive Mitglieder wurden von den Sängern „ausballotiert“ - mit weißen (Zustimmung) oder braunen (Ablehnung) Bohnen. Die ersten ordentlichen Protokolle unter dem Vorsitz von Dietrich Albrecht stammen aus dem Jahre 1893, in denen festzustellen ist, daß seit der Jahrhundertwende von Jahr zu Jahr mehr aktive Sänger den Chorklang verstärkten und die Namen unserer Väter, Großväter und Urgroßväter registriert waren. Finanziert durch Mitgliedsbeiträge und Spenden der Dorfbewohner wurde im Jahre 1896 die heute noch existierende Vereinsfahne von einer Mindener Fahnenfabrik zum Preis von RM 253,50 angeschafft, die 1952 zum 75jährigen Vereinsjubiläum von Frau Hinkelmann umgestickt und erneuert und vom Präsidenten des Sängerbundes NRW Erich Schumacher geweiht wurde. Im August 1914 brach der 1. Weltkrieg aus, und die Zahl der aktiven Sänger reduzierte sich so stark, daß das Vereinsleben ruhen mußte. Doch sofort nach Kriegsende 1918 scharten sich die heimgekehrten Sangesfreunde wieder um ihre alte Vereinsfahne, und ein neues, aufwärtsstrebendes Vereinsleben unter dem Chorleiter Hauptlehrer Walter Rippelmeyer beeinflußte die ganze Dorfgemeinschaft. Vereinsvorsitzende in dieser Zeit waren Fritz Heyng, Dietrich Albrecht und Heinrich Griese, die nach ihren Rücktritten zu Ehrenvorsitzenden ernannt wurden. Man pflegte altes Brauchtum, feierte glänzende Dorffeste und das traditionelle Turmsingen in der Silvesternacht wurde wieder veranstaltet, bis mit Beginn des 2. Weltkrieges 1939 das Vereinsleben erneut zum Erliegen kam, und an eine Auflösung des Vereins gedacht wurde. Eine kleine Sängerrunde hat die „Westfalia“ schließlich erhalten.. Aber schon im Dezember 1945 rief der Vorsitzende Heinrich Griese die Zurückgekehrten wieder zusammen, und die alte „Westfalia“ begann sich zu beleben, wenn auch manch treuer Sangesbruder sein Hennen nicht mehr wiedersehen durfte, wie es die Ehrentafeln des Vereins und der Gemeinde anzeigen. Der erste Dirigent war für kurze Zeit Fritz Spiegel aus Schwerte. Den Vorstand übernahm nun die jüngere Generation. Karl Griese wußte bis 1948 den Verein mit Geschick und Einfühlungsvermögen meisterhaft zu leiten, indem er u.a. den Beschluß der ersten Nachkriegsversammlung verwirklichte, jeden heimkehrenden Kriegsgefangenen mit einem Ständchen zu begrüßen. Unter ihnen war auch der spätere Chorleiter Wilhelm Rademacher, der bis 1958 dem Verein als Dirigent vorstand. In dieser Zeit bereicherte das neugebildete gemischte „Westfalia-Quartett“ das musikalische Leben erheblich. Aus beruflichen Gründen mußte Wilhelm Rademacher die Chorleitung aufgeben, und Musiklehrer Werner Schlotmann wurde als Dirigent verpflichtet, den 1963 Chordirektor Ludwig Lamberts ablöste. Der bemühte sich um eine intensive und zielstrebige Schulung der Sänger, verbunden mit einer straffen Vereinsführung unter dem 1948 gewählten Vorsitzenden Heinrich Klockenhoff und die Erhöhung des Mitgliederbestandes, besonders durch jugendliche Neubürger, um die Weiterentwicklung des Vereins zu steigern. Dadurch wagten sich die Sänger an Chorleistungen wie Gesangswettstreite und erfolgreiche Konzerte, Freundschaftssingen und Familienständchen. Überall in Stadt und Land beging man „den Tag des Deutschen Liedes“. Auch die Chöre der Gemeinde Hennen verschlossen sich diesem Auftrag nicht und fanden sich Pfingsten 1947 auf Veranlassung des Vorsitzenden Karl Griese und des Chorleiters Wilhelm Rademacher in der Helle zum gemeinsamen Chorsingen. Damit gründeten sie die Chorgemeinschaft der Gemeinde Hennen, die nunmehr in diesem Jahr bereits 55 Jahre abwechselnd in allen Ortschaften das Pfingstsingen veranstaltet, das sich in der Bevölkerung immer noch großer Beliebtheit erfreut. In diesem Zusammenhang sind die Verdienste der Chorgemeinschaftsvorsitzenden Heinz Brinkmann, Günter Schäfer und des z. Zt. amtierenden Jürgen Helmering zu nennen. Wilhelm Rademacher wurde anläßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenchorleiter der Chorgemeinschaft ernannt und beim Pfingstsingen 1971 in Leckingsen vom Präsidenten des Sängerbundes NRW Erich Schumacher persönlich die höchste Auszeichnung des DSB, die goldene Verdienstmedaille für 50jährige Chorleitertätigkeit überreicht, verbunden mit der Ernennung zum Chordirektor. Heinrich Klockenhoff legte mit Beginn des Jahres 1972 den Vorsitz nieder und wurde mit der verdienten Ernennung zum Ehrenvorsitzenden verabschiedet. Ihm folgte in diesem Amt Rudi Lipps. Nach dem Rücktritt des mulikalischen Leiters Ludwig Lamberts im Jahre 1975 konnte Rudi Lipps als neuen Chorleiter Josef Schepp gewinnen, der dem MGV 18 Jahre lang die Treue hielt. ![]() 100 Jahre MGV „Westfalia” Hennen im Jahre 1977 Im Jahre 1977 wurde das 100jährige Vereinsjubiläum gefeiert, dank des hervorragenden Organisationstalents des amtierenden Vorstands, ein besonderes Ereignis. Aus diesem Anlaß verlieh der NRW-Kultusminister Jürgen Girgensohn dem MGV die Zelter-Plakette. ![]() Überreichung der Zelterplakette In die Amtszeit von Rudi Lipps fiel 1984 die erstmalige Anschaffung von Vereinssakkos und die Protokollierung der Vorstandssitzungen. ![]() Rudolph Lipps - Ehrenvorsizender Nach einer erfolgreichen 17jährigen Amtszeit legte Rudi Lipps 1989 seinen Posten nieder und wurde von der Hauptversammlung einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Walter Heetmann gewählt, der noch heute die Geschicke der „Westfalia“ leitet. ![]() Walter Heetmann - 1. Vorsitzender Seit 1990 werden alle passiven Mitglieder in unregelmäßigen Abständen über das Vereinsgeschehen schriftlich informiert. Walter Heetmann war es 1993 gelungen, den jungen Chorleiter Klaus Levermann zu verpflichten. Unter dessen Leitung gewannen die Sänger der „Westfalia“ erstmalig im November 1997 in Kamen ein Leistungssingen. Im gleichen Jahr konnte mit großem Erfolg in der Hauptschule Hennen das 120jährige Vereinsbestehen gefeiert werden. Im Sommer 2000 verließ Klaus Levermann die „Westfalia“. Walter Heetmann konnte für seine Nachfolge Alma Dauwalter verpflichten, die mit sehr viel fachlichem Geschick und Geduld die Sänger führt und wesentlich zur musikalischen Gestaltung der 125-Jahrfeier beigetragen hat. ![]() Schnadegang 2000 Ausflüge, Schnadegänge, Ständchen und Scheunenfeste sind fast jährlich erfreuliche Ereignisse der großen Sängerfamilie. Dazu kommen als ernstliche Verpflichtungen das Singen am Volkstrauertag oder bei Trauerfeiern. Mit Stolz tragen Sänger und Chorleiter die Ehrenzeichen des Deutschen Sängerbundes in Silber und Gold und nehmen für langjährige Treue zum Sängerbund Ehren- urkunden entgegen. Längst hat sich das Vereinsleben , wie in vielen Bereichen von Kultur und Wirtschaft, strukturell im Laufe der 125jährigen Vereinsgeschichte geändert. Auf dem Gebiet der Freizeitgestaltung, heute ein wesentlicher Faktor im täglichen Leben, sind Gesang und seine Schulung bei der Bevölkerung nicht mehr sehr populär, so daß viele Gesangvereine, auch der MGV „Westfalia“, erhebliche Nachwuchsssorgen haben. Intensives Werben war bisher nicht sehr erfolgreich. Vielleicht ist die 125-Jahrfeier für den Zugang neuer Mitglieder hilfreich. Die alten patriotischen Chor- und Heldengesänge gehören der Vergangenheit an. Neues Liedgut muß dem Umbruch der Zeit Rechnung tragen, wenn dessen Wirkung nicht verfehlt sein soll. Damit brauchen aber die Weisen von Natur und Heimat, vom Schöpfer der Welt und seiner Allmacht, von Liebe und wahrer Freude des Lebens auf Festen und Konzerten nicht vernachlässigt werden. Es ist zwar heutzutage nicht immer leicht, Zuhörer zu finden, um sich gegen die Vermassungsmusik aus Radio und Fernsehen mit ihrer oft reizvollen aber oberflächlichen Beatmusik zu behaupten. Doch beweisen die gut besuchten Konzerte und Veranstaltungen, daß die Sänger der „Westfalia“ traditionsbewußt auf dem rechten Wege sind und das geistige Antlitz unseres Heimatdorfes mitgeprägt haben und auch weiter tun werden.
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